Mit einer Import-Idee aus den USA fing alles an

Auf ihr 30-jähriges Bestehen blickt Anstoß – Die Fußballschule mittlerweile zurück. Zum Auftakt des Jubiläumsjahres erinnert sich Gründer und Leiter Michael Ziegler noch einmal an die Anfangszeit, verrät, welches Camp ihn besonders beeindruckt hat – und erklärt, was das Erfolgsrezept ist.

Wie kamst Du Mitte der 1990er-Jahre auf die Idee, Fußballcamps in Trier und später auch darüberhinaus zu veranstalten – und wie lief die Anfangszeit ab?

ZIEGLER: Inspiriert wurde ich durch meinen mehrmonatigen USA-Aufenthalt, als ich dort unter anderem an der Vogelsinger Soccer Academy hospitiert hatte. Während eines Skiurlaubs konnte ich dann meinen Freund Holger Wiedemann von der Sache begeistern. Daraufhin kontaktierten wir Peter Friedländer, der damals eines der führenden Sportgeschäfte in Trier besaß – und damit war der Weg für das erste Camp auf dem Moselstadiongelände im Sommer 1996 geebnet.

Mit 100 Kindern waren wir auf Anhieb ausgebucht – es war ein tolles Erlebnis. Das Ganze hatte echten Pioniercharakter, und das Interesse an dieser neuen Idee reichte weit über die Teilnehmer hinaus. Bis heute ist es das Camp, das mir am positivsten in Erinnerung geblieben ist. Ein Jahr später riefen wir zudem ein Fördertraining ins Leben. Später bündelten wir beide Angebote unter dem Namen Anstoß – Die Fußballschule.

In dieser Phase stiegen auch Arno Michels (heute Chef-Ausbilder beim DFB, zuvor unter anderem Co-Trainer beim FC Bayern München, Paris Saint-Germain und dem FC Chelsea, d. Red.) sowie Holger Jungandreas mit ein. Im Laufe der Jahre zogen sich meine drei Kumpels dann aus zeitlichen Gründen wieder zurück. Sie standen und stehen mir aber weiter mit Rat und Tat zur Seite und verfolgen die Geschehnisse bei Anstoß-Die Fußballschule mit großem Interesse.

Mittlerweile gibt es auch in der Region viele Anbieter von Fußballcamps – ob Fußballschulen oder Vereine. Wie begegnest Du der Konkurrenz, die über all die Jahre entstanden ist?

ZIEGLER: Da sehe ich keine Konkurrenz. Vielmehr ist es doch schön, wenn viele Anbieter den Kindern zusätzliche Fußballangebote machen – in aller Regel ja in den Ferien. Ich empfinde es in keiner Weise so, dass andere unsere Idee kopiert hätten. Im Endeffekt haben wir das Konzept selbst aus den USA übernommen und dann mit eigenen Vorstellungen weiterentwickelt. Wir können stolz auf das sein, was daraus entstanden ist.

Wie viele Kinder haben in den drei Jahrzehnten an den verschiedenen Formaten von Anstoß – Die Fußballschule teilgenommen?

ZIEGLER: Es sind rund 12.000. Viele davon haben mindestens zweimal an einem Camp oder Fördertraining teilgenommen. Die Rücklaufquote liegt bei etwa 75 Prozent.

Traditionelle und auch aktuelle Standorte sind Mehring, Trier-Feyen mit der DJK St. Matthias, Zewen/Igel/Langsur und Bernkastel-Kues. Es gab und gibt aber auch immer wieder Camps in weiter entfernten Gegenden, etwa im Kleinwalsertal und in Fischen im Allgäu. Wie kamst Du auf diese Idee?

ZIEGLER: Die Frage für viele Familien ist doch, wie sie den Urlaub in den Bergen attraktiver gestalten können. Ich habe mit meinen eigenen Jungs erlebt, dass sie spätestens nach dem zweiten Tag keine Lust mehr aufs Wandern hatten. Was liegt da näher, als tage- oder wochenweise genau das anzubieten, worauf sie am meisten Lust haben – während die Eltern in dieser Zeit in Ruhe ihren eigenen Interessen nachgehen können?

Durch Urlaubsaufenthalte und mein damaliges Studium im nicht allzu weit entfernten Augsburg bestand zudem eine gewisse Affinität zum Allgäu beziehungsweise zum Kleinwalsertal sowie zu einigen Bekannten vor Ort. Dem Sportverein Kleinwalsertal und dem TSV Fischen habe ich unser Konzept vorgestellt – daraus ist dann die Zusammenarbeit entstanden. Bislang haben wir uns an allen Standorten wohlgefühlt. Es liegt aber in der Natur der Sache, dass es immer mal wieder Wechsel gibt: aus logistischen Gründen oder weil ein Verein auch einmal selbst versucht, ein Camp zu veranstalten.

Camps stehen und fallen mit den Trainern. Wer hat hier in den vergangenen Jahren und Jahrzehnten besondere Akzente setzen können?

ZIEGLER: Detlef Wackerhage ist unser unumstrittener Dauerbrenner. Im vergangenen Jahr war er noch als Torwarttrainer dabei. Er ist ein Mann der ersten Stunde und eines unserer prägenden Gesichter. Berti Inhestern, Philipp Grundmann und Philipp Mies – der auch viel organisatorische Arbeit übernimmt und das Camp im Kleinwalsertal maßgeblich vorangebracht hat – sind ebenfalls schon sehr lange dabei. Nicht zu vergessen Holger Jungandreas, der in den ersten Jahren unheimlich viel gemacht hat, es später aus zeitlichen Gründen aber einfach nicht mehr schaffte.

Wie hat sich das Training seit 1996 verändert?

ZIEGLER: Gar nicht so dramatisch. Viele Elemente, die in jüngerer Vergangenheit auch vom DFB herausgestellt wurden – etwa die stärkere Gewichtung von Spielformen –, hatten wir von Anfang an integriert. Die Akzente haben sich allerdings verschoben: Der Übungsanteil war früher höher, wir haben längere Zeit an einzelnen Techniken gearbeitet. Heute versuchen wir, rund zwei Drittel der Einheiten über Spielformen abzubilden.

Wie gestaltet sich der Umgang mit den Kindern im Vergleich zu den ersten Jahren ?

ZIEGLER: Oft heißt es, dass heutzutage alles schwieriger sei und die Disziplin der Jugend nachgelassen habe. Das kann ich so nicht unterschreiben. Mit einer klaren Struktur erreichen wir die Mädchen und Jungen. Wichtig sind dabei auch die kleinen Gruppen mit maximal zwölf Kindern – so ist jeder permanent gefordert. Zum Gelingen der Camps trägt zudem bei, dass es immer einen Leiter gibt, der den Gesamtüberblick behält und bei dem die Fäden zusammenlaufen.

Was hat das Jubiläumsjahr von Anstoß – Die Fußballschule Besonderes zu bieten?

ZIEGLER: Mir schwebt ein Kleinfeldturnier vor – etwa im Modus Fünf-gegen-fünf, gerne für einen guten Zweck. Wann und wo wir das umsetzen, ist allerdings noch offen. Zunächst liegt der Fokus aber auf unseren Ostercamps in Kooperation mit der SG Sauertal-Ralingen, der DJK St. Matthias und dem TSV Fischen. Diese sind übrigens bereits jetzt zu rund 75 Prozent ausgebucht.